Piercing und Gesetz

Piercing und Gesetz

Die Tätigkeit des Piercers ist keine anerkannte Berufsbezeichnung. So darf sich jeder Piercer nennen und einen eigenes Geschäft eröffnen. Dennoch unterliegt dieser Berufszweig den nachfolgenden gesetzlichen Vorschriften und Richtlinien:

Die Richtlinien der EU
Das Lebensmittel- und Bedarfsgegenstände Gesetz (LMBG)
Die Bedarfsgegenständeverordnung
Das bürgerliche Gesetzbuch (BGB)

Was regelt, welches Gesetz oder Verordnung?

Die Richtlinie 94/27/EG der EU
Die EU Richtlinie zur  “Beschränkung des Inverkehrbringen und der Verwendung gewisser gefährlicher Stoffe und Zubereitungen” ist Vorgabe Modeschmuck und Piercingeinsätze.
Dort wird ausgeführt, dass nur Stäbe (Einsätze) zugelassen sind

“…die homogen sind und deren Nickelkonzentration – ausgedrückt als Masse Nickel der Gesamtmasse – unter 0,05% liegt.”

Das Lebensmittel- und Bedarfsgegenstände Gesetz (LMBG)
Das LMBG ist die Grundlage für das Ordnungsamt um seine Kontrollfunktion wahrzunehmen. Die Lebensmittelüberwachung (ein Teil des Ordnungsamtes) wacht über den ordnungsgemäßen Umgang von Schmuckstücken. Die Zuständigkeit leitet sich vom §5 des LMBG ab. Dort heißt es unter Absatz 6:

” Bedarfsgegenstände im Sinne dieses Gesetzes […] sind Gegenstände, die dazu bestimmt sind, nicht nur vorübergehend mit dem menschlichen Körper in Berührung zu kommen […]”.

Die Bedarfsgegenständeverordnung
In der siebten Verordnung zur Änderung der Bedarfsgegenständeverordnung wird unter §3 auf die Anlage1 verwiesen, die alle verbotenen Stoffe auflistet. In dieser wird festgelegt dass für die

“Herstellung oder Behandlung von Ohrsteckern oder gleichartigen Erzeugnissen (hier: Piercingeinsätze), die dazu bestimmt sind, bis zur Epithelisierung (Hautbildung, Abheilung) des Wundkanals im menschlichen Körper zu verbleiben”

Nickel verboten ist.
In Bezug auf die Praxis bedeutet dies, dass der Nickelanteil nicht 0,05% Prozent übersteigen darf. In diesem Zusammenhang wird dann auch vom nickelfreien Stahl gesprochen. Chirugenstahl erfüllt diese Bedingung nicht und wird aus diesem Grund für den Ersteinsatz nicht verwendet.

Die Bedarfgegenständeverordnung ist somit die Umsetzung der EU-Richtlinie in deutsches Recht.

Das bürgerliche Gesetzbuch (BGB)
Im BGB wird unter anderem die Geschäftsfähigkeit definiert. Dies wird in den Paragraphen §106,§107 & §113 geregelt. Daraus geht hervor, dass ein Minderjähriger nur teilgeschäftsfähig ist.
Aus diesem Grund ist bei Piercen von Minderjährigen immer die Genehmigung eines Erziehungsberechtigten vorzulegen.

Warum dieser Aufwand des Gesetzgebers?
In der Praxis hat sich gezeigt, dass Schmuckeinsätze mit Nickel im Zusammenhang mit offenen Wunden problematisch sind. Nickel wird vom Metall freigesetzt und gelangt über die Wunde in die Blutbahn des Trägers. Das wiederum kann dann zu einer Nickelallergie führen, die sich in Rötung der Haut, Juckreiz und/oder Ausschlag darstellen kann. Da Ende der achtziger Jahre die Nickelallergien sprunghaft zunahmen, sah sich der Gesetzgeber veranlasst, den Nickelgehalt zu beschränken.

Die Teilgeschäftsfähigkeit soll den Heranwachsenden auf die Volljährigkeit und der damit einhergehenden Vollgeschäftsfähigkeit vorbereiten. Bei der Teilgeschäftsfähigkeit haben die Erziehungsberechtigten immer ein Widerspruchsrecht und können einen Vertrag, den der Jugendliche geschlossen hat, für ungültig erklären.

Quellen:
EU-Richtlinie (178KB pdf)